200 PS ist er stark, der E-Motor für die ID.3-Modelle aus Baunatal. Kürzlich wurde der bei einer Betriebsversammlung den Beschäftigten neben dem Concept Car ID-Crozz vorgestellt.                 
Als gestern Bundeskanzlerin Angela Merkel und VW-CEO Herbert Diess  den ersten VW ID.3 im Werk Zwickau entgegengenommen haben, war auch viel Know How aus dem VW - Werk Kassel dabei.
Denn nicht nur die bis zu über 200-PS-starken Elektromotoren für das erste reine E-Auto von Volkswagen, sondern auch tragende Bau- und Karosserieteile kommen aus dem Nordhessischen Baunatal.
Der ID.3, der auf der IAA in Frankfurt seine Weltpremiere feierte, wird in Zwickau zu einem fertigen Auto zusammengesetzt. Bis zu 500.000 Motoren und Karosserieteile sollen jedes Jahr aus dem Werk in Kassel nach Sachsen geliefert werden. „Alle Bauteile sind im Werkverbund der Volkswagen-Konzern-Komponente perfekt aufeinander abgestimmt“, erläutert Olaf Korzinovski, Leiter des VW-Werk Kassel in Baunatal auf Anfrage. 
„Ich bin stolz auf die engagierten Kolleginnen und Kollegen, die während des Wandels unseres Standortes hin zur Elektromobilität hart am Anlauf mitgearbeitet haben“, sagt er zum Umbau der Produktion in Kassel. So wurde beispielsweise in der Halle 1 ein Großteil der Fertigungslinie für das bewährte Handschaltgetriebe MQ 250 abgebaut und eine moderne E-Motoren-Fertigung für den ID.3 an gleicher Stelle installiert.

VW-Werk Kassel: Zahlreich Mitarbeiter aus dem bisherigen Getriebebau wurden umgeschult

„Wir in Kassel haben bei den E-Antrieben seit rund zehn Jahren den Fuß in der Tür und damit einen guten Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb“, betont Korzinovski. Bis zu 1000 Mitarbeiter sind laut VW-Sprecher Alexander Gautsche bei voller Auslastung an der Teile-Produktion für den ID.3 beteiligt. Die automatisierte Fertigung laufe bereits auf Hochtouren, sagt er.

Arbeiten in Baunatal am E-Antrieb für den ID.3: Niklas Kühne (links) und Michael Frey. Bei voller Auslastung sind 1000 Frauen und Männer in der Fertigung vorgesehen.
Gebaut werden Teile des Rahmens für den Batteriekasten, Dämpferaufnahmen, Querträger und der Tunnel. Im Bereich der Warmumformung seien eigens für die neue Plattform, den sogenannten Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) Pressen modernisiert worden, betont der Sprecher. „Jedes Werkzeug presst zeitgleich zwei identische Teile.“

Auch Europas größte Aluminiumgießerei im VW-Werk Kassel ist beteiligt

Dort werde das Zwischengehäuse für den Antrieb gegossen. Das Verfahren spiele eine entscheidende Rolle für den Leichtbau des Motors. „Das antriebstechnische Kraftpaket wiege nur 90 Kilogramm, leiste aber 150 Kilowatt (knapp über 200 PS).“
Positiv bewertet auch der Betriebsrat in Baunatal den Fertigungsbeginn. „Unsere Kolleginnen und Kollegen am Standort treiben die E-Mobilitäts-Innovationen stetig voran“, sagt Vorsitzender Carsten Bätzold auf Anfrage. Mit dem Start der Produktion in Zwickau werde nun sichtbar, „was wir hier in Kassel in der vergangenen Zeit in Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat, Management und Mitarbeitern erfolgreich ins Laufen gebracht haben.“
Bätzold sieht durch die Beteiligung an der ID3.-Produktion einen Schub für den Erhalt von Arbeitsplätzen am Standort: „Damit sichern wir mit Zukunftsthemen Beschäftigung für Volkswagen Kassel.“ 

Im VW-Werk Kassel werden die Teile für den ID.3 für den gesamten europäischen und nordamerikanischen Markt gefertigt

Die Motoren für China sollen vom chinesischen Standort Tianjin kommen. Beide Werke zusammen sollen ab dem Jahr 2023 eine Kapazität von bis zu 1,4 Millionen E-Antrieben jährlich haben. Die Volkswagen-Konzern-Komponente sei damit weltweit einer der größten Hersteller von E-Antrieben für Fahrzeuge, heißt es aus dem Baunataler Werk.
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